Am Samstag bekam sein Freund einen Anruf. Er musste nach Rom reisen, wegen
einer Reisereportage. Dies würde sicher einige Tage - vielleicht länger - in
Anspruch nehmen. Also war er wieder mal allein. Sein Freund fuhr im Taxi zum
Flughafen, er ging hinunter in die Kneipe. Die nächste Zeit würde es für ihn
kein geregeltes Essen geben. Er konnte nur die Mikrowelle bedienen. Der
Fotograf aber war ein guter Koch. Die kleine Männer-WG hatte sich gut
eingespielt. Sie ergänzten sich perfekt. Einer mache die Hausarbeit; der Andere
genoss das gute Essen und sonstige Annehmlichkeiten. Und der Andere war Er.
Der Wirt freute sich ihn mal wieder zu sehen und nickte ihm kurz zu. Er
setzte sich ganz hinten an einen Fenstertisch und sah sich in der kleinen
Kneipe um. Es war sehr gemütlich hier. Ein paar Männer saßen am Stammtisch und
spielten Skat. Ein junges Pärchen lachte und schwatzte bei einem Glas Sekt oder
Prosecco oder so etwas Ähnliches. Sie quietschte manchmal, als hätte man eine
Maus getreten. Eine Wasserstoffblondine. Sie schaute kurz zu ihm herüber und
fing dann mit ihrem Gegenüber zu tuscheln an. Wahrscheinlich über ihn, so
vermutete er. Nein, auf Wasserstoffblond stand er nicht.
Der Wirt kam an seinen Tisch und sagte: „Heute gibt es Eintopf oder
Schnitzel mit Bratkartoffeln als Mittagstisch. Was magst Du? Ich kann Dir aber
auch ein Steak braten!“ „Schnitzel ist mir recht“ sagte Er „und ein großes Bier
bitte!“. „Kein Whisky vorweg?“ fragte der Wirt. „Nein, gib mir mal lieber einen
Wodka!“ „Kommt sofort“ erwiderte der Wirt und ging in die Küche. Er schüttelte
den Kopf und dachte: Der arme Kerl. Die
Frau hat ihn total aus dem Ruder gebracht!
Bald stand der Wodka vor ihm. Eisgekühlt; auch das Glas. Er kippte ihn
schnell hinunter und bestellte noch einen. Er brannte wie Feuer, aber er tat
ihm gut. Verdammt gut. Der Wirt stellte das Bier hin und frage: „Noch einen?“
„Aller guten Dinge sind drei“ sagte Er und kippte auch den Dritten hastig
hinunter. „Fühlst Du Dich jetzt besser?“ fragte der Wirt. „Auf jeden Fall fühle
ich mich jetzt anders.“ Sagte Er und setzte das Bierglas an. Der Wirt entfernte
sich wieder. Das Pärchen fing nun an zu knutschen. Peinlich, dachte Er und sah aus dem Fenster.
Der Wirt kam mit dem bestellten Essen. Er schlang es gierig hinunter. Er
hatte sehr großen Hunger. Dann bestellte er noch ein Bier. Der Wodka tat schon
seine Wirkung. Er suchte nach seinem Geld. „Schreib’s auf“ rief er dem Wirt zu
und verließ das Lokal.
Er wohnte im ersten Stock doch es fiel ihm sehr schwer die Treppe zu erklimmen.
Verdammt, der Alkohol dachte er und
schloss die Wohnungstür auf. Die Wohnung war kalt und leer. Jetzt, wo sein Freund
fort war, erschien sie ihm noch leerer. Er war sehr unzufrieden, zog seine
Schuhe aus und schleuderte sie durch das Zimmer. Im Kühlschrank suchte er nach
einer Flasche Bier. Fehlanzeige. Also griff er wieder zu dem guten alten Whisky.
10 JAHRE IN HOLZFÄSSERN GEREIFT! Stand auf dem Etikett. Ihm war das im Moment
egal. Auch dass es ein echter schottischer Whisky war interessierte ihn im
Moment nicht sehr. Schnell mal einen Schluck aus der Flasche nehmen. Wozu ein
Glas schmutzig machen. Man musste es ja doch wieder spülen. Also nahm er die
Flasche und ging zu seinem Schreibtisch. Er öffnete seinen Laptop und loggte
sich ein. Dann öffnete er sein Email-Programm und sah nach neuen Nachrichten. Es
gab fünf neue Nachrichten. Das übliche. Werbung und einige kleine Aufträge für
ihn. Doch eine Nachricht machte ihn stutzig. Sie hatte – wie die bereits
erhaltene Mail – einen sehr zweifelhaften Absender, den er auch dieses Mal
nicht entziffern konnte. Er überlegte, ob er den Anhang dieser Nachricht öffnen
sollte. Vielleicht erfuhr er wieder etwas Neues über die geheimnisvolle Fremde?
Neugierig war er schon, das brachte sein Beruf so mit sich. Also klickte er den
Anhang an und wartete auf das was geschah.
***
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